Bibel, Kreuz und Glocken

Foto: Klaus Affolter

Was ist los in der Schweiz? Während die einen Kopftücher und Minarette verbieten wollen, kämpfen die anderen gegen Kruzifixe und Kirchen­geläut. Ist der Kampf gegen religiöse Symbole ein Zeichen der Zeit?

Noch selten wurde so öffentlich und so aggressiv über christliche Zeichen gestritten wie in den letzten Monaten. Zuerst ging es um Kreuze und Kruzifixe in der Schule, dann wurde auch den Gipfelkreuzen in den Bergen der Kampf angesagt, und schliesslich führten die Auseinandersetzungen zum Aufruf zur Bibelverbrennung.

Gleichzeitig brach der seit vielen Jahren geführte Streit um das Glockenläuten wieder aus. Zwar haben sich schon verschiedenste Kirchenpflegen mit Lärmklagen auseinandergesetzt, doch in der Kirchgemeinde Gossau ZH nimmt das Thema neue Dimensionen an. Ein Kläger zieht seine Klage, nachdem er vor Bundesgericht gescheitert ist, nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg.

Man fragt sich: Geht es hier nur um ein paar genervte Eltern und geplagte Anwohner und Anwohnerinnen im Klang-Einzugsgebiet von Kirchtürmen? Oder gibt es einen Zusammenhang zwischen den massiert auftretenden Klagen?

Am Kreuz scheiden sich die Geister

Das grösste Aufsehen erzielt zurzeit die Kruzifix-Debatte. Effektiv geht es dabei zwar nur um zwei Gemeinden: um Triengen in Luzern und Stalden im Wallis, wo im ersten Fall ein Vater, im zweiten Fall ein Lehrer das Abhängen der Kruzifixe im Klassenzimmer verlangt hatte. Beide machten die religiöse Neutralität der Schule geltend, zu der ein Zeichen wie das Kreuz im Widerspruch stehe.

Die Reaktionen in der Bevölkerung und den Behörden waren immens. Die Schulbehörde in Stalden hat dem Lehrer fristlos gekündigt, der Vater hat Triengen mit seiner Familie inzwischen verlassen, weil er Morddrohungen erhielt. Die emotionale Welle hat inzwischen auch die politische Ebene erreicht: CVP-Nationalrätin Ida Glanzmann will an der nächsten Session eine parlamentarische Initiative lancieren, welche die christlichen Symbole per Verfassung unter Schutz stellt. Und im Kanton Luzern werden eifrig Unterschriften gesammelt für die Petition «Kruzifix bleibt!». Hinter der Petition stehen Politikerinnen und Politiker der CVP und SVP.

Auf der anderen Seite wurde bald offen gelegt, dass beide Kämpfer gegen das Kruzifix der Vereinigung der Freidenker angehören. Lehrer Valentin Abgottspon, der das Kreuz in Stalden abhängte, ist selber Präsident der Walliser Freidenker-Sektion. Diese Bewegung, die Ende des 17. Jahrhunderts in England entstand und seit 1908 auch in der Schweiz als Verein registriert ist, hatte ursprünglich zum Ziel, eine Plattform für konfessionslose Menschen zu sein. Ihre Mitglieder sind meist Atheisten oder Agnostiker, die sich – im Stil zurückhaltend – für einen Humanismus ohne religiösen Bezug stark machen. In den letzten Jahren traten die Freidenker aber vermehrt öffentlich und kämpferisch auf, zuletzt mit der im vergangenen Jahr heftig umstrittenen Plakatkampagne «Es gibt wahrscheinlich keinen Gott, also sorge dich nicht und geniess das Leben!».

Sofabilder aus Varanasi

Die Foto-Arbeit stammt von Fabian Biasio. Die «Sofabilder aus Varanasi» des bekannten Schweizer Fotografen sind im Rahmen eines Atelieraufenthalts im indischen Varanasi entstanden. Die Familienporträts, die Biasio in der heiligen Stadt am Ganges fotografiert hat, verstehen sich als Versuch einer nicht repräsentativen, religions- und kastenübergreifenden fotografischen Feldarbeit: Wie äussern sich die verschiedenen Arten von Frömmigkeit der einzelnen Religionsgruppen? Welche Unterschiede sind erkennbar? Was zählt mehr, die Grösse des Hausaltars, die Grösse der Kinderschar oder die Grösse des Fernsehers?

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Der Kampf gegen religiöse Symbole wird in der Schweiz offensiv geführt (siehe nebenstehenden Artikel). Ein Grund dafür liegt in der immer noch sehr engen Verflechtung zwischen Kirche und Staat. Würde eine komplette Entflechtung zwischen Kirche und Staat zu einer toleranteren Haltung gegenüber religiösen Symbolen in der Öffentlichkeit führen? Könnte Indien ein Vorbild für die Schweiz sein? Anders als in der Schweiz ist in Indien die strikte Trennung von Religion und Staat seit 1950 verfassungsrechtlich verankert. Dies ermöglicht ein über weite Strecken friedliches Zusammenleben verschiedenster Religionen. Indien ist ein multiethnischer Staat und mit 1,2 Milliarden Einwohnern (2009) das zweitbevölkerungsreichste Land der Erde. In Indien entstanden vier der grossen Religionen: Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus. Die Religionen verteilen sich wie folgt: 80,5 Prozent Hindus, 13,4 Prozent Moslems (hauptsächlich Sunniten), 2,3 Prozent Christen, 1,9 Prozent Sikhs, 0,8 Prozent Buddhisten, 0,4 Prozent Jainas und 0,6 Prozent andere: (zum Beispiel Adivasi, Bahai, Parsen) (Quelle: Census of India 2001)

Fabian Biasio schreibt zu seiner Arbeit:

«Shudra»: Ein eigentliches Tabuthema

Die traditionelle Bezeichnung «Shudra» für die sogenannt niederen Kasten wird in Indien von diesen als rassistisch abgelehnt. Die Angehörigen dieser gesellschaftlichen Unterschichten bezeichnen sich selber als «Backward Castes» oder als «Harijan» («Kinder Gottes»). Ich habe mich entschlossen, zwar den geschichtlichen Begriff zu verwenden, jedoch mit dem Hinweis «trad.» für «traditionell». Eine weitere Unterteilung der Shudras gibt es in «Berührbare» und «Unberührbare». So sind zum Beispiel Friseure laut Kastensystem «berührbar», während Müllentsorger als «unberührbar» beziehungsweise als «unrein» gelten.

In Indien gilt das Kastensystem offiziell seit der Gründung der Republik 1947 als abgeschafft; tatsächlich ist es noch heute tief in der Gesellschaft verwurzelt und ein eigentliches Tabuthema. So hatte ich in Indien grosse Mühe, Gesprächspartner zum Thema Kasten zu finden. Man gab mir zu verstehen, dass ich in «alten Wunden» wühlen würde, dass das moderne Indien das Kastensystem längst überwunden habe und Chancengleichheit gelte.

Andererseits war die Existenz der Kasten für mich augenscheinlich. Während sich die niederen Kasten grundsätzlich benachteiligt fühlen, empfinden es die Angehörigen der höheren Kasten meist als unfair, dass an der Universität, in der Regierung und bei der Besetzung von Stellen ein Quotensystem gilt: So sind die Institutionen gesetzlich dazu verpflichtet, gemäss einer Quotenregelung Bewerber aus niederen Kasten zu bevorzugen.

Dank diesen Quoten schaffen es heute selbst Angehörige niederer Kasten in höchste Positionen, zu Ansehen und zu Reichtum. Andere versuchen, der Benachteiligung als «Unberührbare» durch einen Wechsel der Religion zu entfliehen. So konvertieren viele Hindus niederer Kasten zum Christentum oder zum Islam. 

Fabian Biasios Bilder sind im Rahmen der Wettbewerbs-Ausstellung zur nationalen Förderung der Fotografie Prix Photoforum SELECTION | AUSWAHL 2010 im Photoforum PasquArt in Biel zu sehen. Vom 5. Dezember 2010 bis 2. Januar 2011. www.photoforumpasquart.ch.

Die Freidenker-Vereinigung wendet sich denn auch dezidiert gegen Kreuze und Kruzifixe in öffentlichen Räumen. Sie will, nach den negativen Erfahrungen ihrer beiden Mitglieder, nun erst recht in die Offensive gehen: «Überall dort, wo sich der Staat repräsentiert, müssen religiöse Zeichen entfernt werden», fordert Geschäftsführerin Reta Caspar. Und kündigt an, dass die Freidenker in Zukunft nicht nur bei Kreuzen im Schulzimmer, sondern selbst bei Gipfelkreuzen in den Bergen Einspruch erheben werden. Den traditionellen Berggängern verspricht sie immerhin, dass dies nur dort gelten solle, wo neue Kreuze errichtet werden: «Die bestehenden müssen nicht verschwinden.»

Das sehen allerdings nicht alle Mitglieder der Vereinigung so. Der Freidenker Patrick Brussard machte lieber schon jetzt ernst und sägte gleich mehrere Gipfelkreuze um, so im Greyerz-Gebiet. Inzwischen plant er eine Initiative zu deren Abschaffung. «Eine solche Initiative würden wir unterstützen», sagt Caspar von der Freidenkervereinigung.

Höhepunkt Bibelverbrennung

Ins Abseits manövriert hat sich die Freidenker-Vereinigung in den letzten Wochen, als sie kurz nach dem Kruzifix-Streit zur Zensur der Bibel aufrief. Einige Mitglieder, darunter auch Lehrer Abgottspon, unterschrieben ein Gesuch, das an allen kantonalen Obergerichten der Schweiz deponiert wurde: Die Bibel enthalte gewalttätige und pornografische Schilderungen, deshalb sei sie Minderjährigen nur in einer zensurierten Fassung zuzumuten. Als die Gerichte nicht reagierten, drohte die Gruppe mit einer öffentlichen Bibelverbrennung vor dem Bundeshaus in Bern.

Statt zur Bibelverbrennung kam es dann allerdings zu einer Polizei-Aktion gegen die Initianten, von denen sich nur drei zu diesem letzten Schritt entschieden hatten. Die Freidenker distanzierten sich öffentlich von den «Fundis». Und Valentin Abgottspon winkt bei der Frage nach dem weiteren Vorgehen ab: «Provokation ist nicht in meinem Sinn». Er bedauere es im Nachhinein, dass er die Forderung nach Bibelzensur unterschrieben habe.

«Kirchturm-Glocke-Bimbam!»

Auf einer anderen Ebene bewegt sich der Kampf ums Glockenläuten, das schon in unzähligen Gemeinden zu Klagen, Beschwerden vor Gericht und teils zustimmenden, teils ablehnenden Urteilen geführt hat. Besonders in die Schlagzeilen kam vor kurzem der Fall Gossau ZH. Beschwerdeführer Christian Frei, der wegen des Glockenläutens nicht schlafen kann, ging mit seiner Klage bis vor Bundesgericht, blitzte aber ab. In der Zwischenzeit hat er den Fall an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg weitergezogen.

Auf den ersten Blick ein Einzelfall, beim zweiten Blick stellt sich aber heraus, dass hinter Christian Frei ein Verein steht, der sich IG Stiller nennt und gemäss Statuten das Einhalten der Nachtruhe als Ziel verfolgt. Der Grund für gestörte Nachtruhe scheint in den Augen der Vereinsmitglieder allein bei den Kirchenglocken zu liegen, allenfalls noch bei weidenden Kühen und Schafen. Autos, Flugzeuge oder Disco-Lärm kommen bei der IG Stiller nicht vor. Den Glocken hat der Verein den Kampf angesagt, und er geht dabei nicht zimperlich vor: Auf seiner Website findet man umfangreiche Dokumentationen über bereits geführte Glockenkämpfe, verschiedene Beweise für die Schädlichkeit von Glockengeläut und einige Tiraden gegen die Kirchen.

«Stiller» nennt sich der Verein nicht deswegen, weil er für einen stilleren Lebensstil eintreten würde, sondern nach Max Frischs berühmtem Roman «Stiller», aus dem auf der Website der IG zitiert wird: «Das Geläut des Münsters, ..., ein Lärm, dass man seine eigenen Gedanken nicht mehr hört, ein Zittern der Luft, ein klangloses Beben, ..., es macht mich taub, schwindlig, idiotisch.»

Das augenfälligste Argument auf der Website kommt dann allerdings nicht in Max Frischs Worten daher, sondern in jenen der SVP: Deren Anti-Minarett-Plakat ist ebenfalls abgebildet, nur sind die Minarette durch Kirchtürme ersetzt. Und unter dem SVP-Slogan «Minarett-Muezzin-Scharia» steht – offensichtlich als Pendant zu den bedrohlichen Symbolen der Muslime zu verstehen – «Kirchturm-Glocke-Bimbam!»

Ähnlich, wie sich die Freidenker eine Initiative gegen Gipfelkreuze überlegen, denken die Mitglieder der IG Stiller über eine Initiative zur Abschaffung jeglichen Glockengeläuts nach. Sie sind es auch, die Christian Freis Kampf bis vor Bundesgericht geführt haben und unter ihrem Namen wird die Eingabe gegen das Gossauer Glockenläuten am Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg gemacht. Mit ihrer Website versucht die IG, die Glockengegner verschiedener Ortschaften miteinander zu verbinden. Sie bietet ihnen Rat und Tat bei ihrem Kampf an und ermutigt sie, vor Gericht zu gehen. Eine Musterklage zum Herunterladen liefert sie gleich mit.

Kampf gegen das Christentum?

«Warum kommt der Angriff auf die Glocken überhaupt?» Der Fernsehsender Tele Züri stellte diese Frage in der Sendung «TalkTäglich» Ende Oktober. Man könnte die Frage erweitern: Warum gibt es zurzeit einen regelrechten Boom von Klagen gegen christliche Symbole?

Im Tele-Züri-Gespräch, bei dem der Zuger Pfarrer Jürg Rother und besagter Christian Frei das Pro und Kontra der Glocken diskutierten, ging Rother gleich in die Offensive: In seinen Augen steht hinter dem Kampf gegen die Glocken ein grundsätzlicher Kampf gegen das Christentum. Und er wirft Frei vor: «Sie sind verflochten mit den Freidenkern und lassen sich instrumentalisieren im Kampf gegen die Religion.»

Die IG Stiller selber nimmt zu diesen Vorwürfen im Nachhinein Stellung: «Diejenigen Freidenker, die bei der IG Stiller dabei sind, heissen nichts anderes als unsere klar formulierten Ziele gut: Einhaltung sämtlicher gesetzlich vorgeschriebener Ruhezeiten.» Ausserdem seien zwei Vorstandsmitglieder der IG Mitglieder einer Landeskirche. Umgekehrt will sich auch Freidenker-Geschäftsführerin Caspar nicht mit der IG Stiller gleichsetzen lassen. Doch den Kampf gegen die Glocken unterstütze sie, aus den gleichen Gründen wie den Kampf gegen die Kreuze, hält sie fest.

Grundsätzlicher beurteilt der Religionssoziologe Jörg Stolz die Auseinandersetzungen. Auf Anfrage hält er fest: «Auffällig sind nicht die Themen, über die hier diskutiert wird, sondern der Ton.» Dieser sei bezeichnend für eine Polarisierung, die sich heute in religiösen Fragen immer deutlicher zeige.

Diese Polarisierung zeigt sich laut Stolz auch in verschiedenen Umfragen: Während noch in den 1960er Jahren bei Fragen nach der Religion von den Befragten Wert darauf gelegt wurde, sich als katholisch oder reformiert auszugeben, sei die Konfession heute kein Thema mehr. Vielmehr tue sich der Graben auf zwischen denen, die etwas glauben, und denen, die nicht glauben. Die Freidenker verstünden sich dabei als die Kampftruppe jener, die nicht glauben, so Stolz. Und in einigen Belangen seien ihre Auffassungen auch mehrheitsfähig: «Rund 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind zum Beispiel mit der von den Freidenkern oft vertretenen Meinung einverstanden, dass Religion eher zu Konflikten als zum Frieden führt.» In anderen Glaubensfragen verträten die Freidenker aber Minderheitspositionen. An «etwas Höheres», zum Beispiel, glaubten nach wie vor die meisten Schweizerinnen und Schweizer.

Minarett-Verbot als Bumerang

Der Lausanner Professor ist im kirchlichen Umfeld wegen seiner kürzlich veröffentlichten Studie über die reformierte Kirche bekannt geworden. Die Volkskirche werde sich verändern müssen, hatte er dort prognostiziert. Er rechnet damit, dass die Mitgliederzahl der reformierten Kirche von heute 33 Prozent bis ins Jahr 2050 auf 20 Prozent sinkt.

In den Augen von Jörg Stolz sind die Streitigkeiten um Bibel, Kreuz und Glocken Symptome dieser Entwicklung. «Je mehr die Kirchen an Einfluss verlieren, desto eher taucht die Frage auf, ob christliche Symbole in der Öffentlichkeit noch Platz haben.» Die Anliegen der Freidenker würden in der Öffentlichkeit heute besser verstanden als früher. Und die Institution Kirche sei nicht mehr unangreifbar.

Allerdings: Die Polarisierung zeige sich, umgekehrt, auch darin, dass die Reaktionen auf Kritik an christlichen Symbolen heute heftiger und aggressiver seien als früher. «Die Verunglimpfungen und Drohungen, welche die Kreuzgegner von Triengen und Stalden erfahren haben, sind allerdings kaum religiös motiviert», meint Stolz. Sie kämen vielmehr aus dem Gefühl heraus, dass die herkömmliche Ordnung in Frage gestellt sei: «Wenn das Kreuz abgehängt wird, bedeutet das einen Kulturverlust. Da könnte man ja bald noch auf die Idee kommen, Weihnachten abzuschaffen. Und bei solchen Aussichten kocht die Volksseele natürlich über.»

Bleibt die Frage, ob der jetzt geführte Kampf gegen christliche Symbole in einem Zusammenhang mit der Diskussion um Kopftücher und Minarette steht. «Ja», ist Stolz überzeugt, «auch wenn dieser Zusammenhang vordergründig nicht sichtbar ist.» Das adaptierte Anti-Minarett-Plakat der IG Stiller sei aber ein augenfälliger Hinweis in diese Richtung. «In der Minarett-Diskussion wurden religiöse Symbole problematisiert. Eine solche Haltung hat Auswirkungen. Die Schwelle ist niedriger geworden, um nun auch christliche Symbole zu problematisieren.»

Wird die Minarett-Debatte, von manchen im Namen der christlich-abendländischen Werte geführt, also zum Bumerang für das Christentum? «Durchaus möglich», meint Stolz. Denn zum Erfolg der Anti-Minarett-Initiative hätten nicht nur jene beigetragen, die das Christentum damit stärken wollten, sondern auch jene, die gegen jegliche religiöse Symbole seien – unter anderen die Freidenker. In diesem Sinn sei der jetzige Kampf gegen Bibel, Kreuz und Glocken tatsächlich in einem grösseren Zusammenhang zu sehen. Die Kirchen hätten sich deshalb mit guten Gründen bei der Abstimmung vor einem Jahr für ein Nein zum Minarettverbot eingesetzt: «Vielleicht nicht nur aus Toleranz, sondern weil sie ahnten, dass der Kampf gegen religiöse Symbole auch sie selber treffen könnte.»

Informationen über die IG Stiller:
www.nachtruhe.info

Freidenker-Vereinigung der Schweiz:
www.frei-denken.ch

Die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK) äusserte sich nach längerem Schweigen zum Streit um religiöse Symbole in der Öffentlichkeit:
Medienmitteilung vom 1. Dezember 2010