Herzlich willkommen zur dritten Ausgabe

neuland im Januar 2011

Liebe Leserinnen und Leser,
herzlich willkommen zur dritten Ausgabe von neuland. Ein neues Jahr, ja ein neues Jahrzehnt hat soeben begonnen. Es ist Aufbruch angesagt!

Die Zeichnung zum Thema «Aufbruch ins Unbekannte» habe ich per Zufall, beim Vorbeigehen entdeckt im Skizzenbuch einer befreundeten Künstlerin. Und die Skizze sofort haben wollen für dieses Editorial der Auftakt-Ausgabe 2011. Die Zeichnung trifft es, dieses Gefühl einerseits von Neugier aufs Neue, diesem Drang nach vorn... und dem kleinen Unbehagen.

Wird die Schweiz es wagen, auf erneuerbare Energien statt auf Atomstrom zu setzen? Mit dieser Frage schliesst der Atom-Experte und ehemalige Greenpeace-Mitarbeiter Stefan Füglister seine Analyse zu einem der wirklich wichtigen Themen, welche die Schweiz in den nächsten Jahren angehen. Deutschland betreibt ab 2040 keine Atomkraftwerke mehr. Es geht auch in dieser Frage nicht um ideologische Kämpfe, sondern um umfassende Information und eine angeregte, sachliche Diskussion.

Das Cover der Nummer 3 von neuland wurde von Bruno Steiner gestaltet. Er hat zwölf alte Bekannte aus seinem Skizzenbuch eingeladen, das neue Jahr mit einer Stafette im Endlosloop zu begrüssen, und schafft so ein Portal zu neuland #3.

2011 ist auch Wahljahr: Im Herbst sind Parlamentswahlen in der Schweiz, die immer noch keine Offenlegung von Parteispenden kennt. Zurückblickend auf die letzten Jahre kann man sagen, dass die Parteien, insbesondere die grösste Partei im Land, verschiedene Volksinitiativen – und die sind in einer direkten Demokratie eigentlich das politische Instrument für die Bürgerinnen und Bürger, nicht für die Parteien, denn die haben ja das Parlament – für ihre Wahlpropaganda genutzt haben. Mit Erfolg.

Wer zahlt, gewinnt? Wir werden sehen. Es geht nicht nur um Sieger und Gewinner. Es geht um Strukturen und Sachpolitik, und darum, wem wir die Beantwortung unserer verschiedenen gesellschaftspolitischen Fragen anvertrauen wollen. Auch die Energiefrage.

Wenn Rechtsaussen weiterhin zulegt, kippt die konkordante stabile Schweiz in ein Oppositionssystem, was die Heimatverkäufer schon lange vorhaben. Ob ein Systemwechsel gefährlich für den Standort Schweiz ist, ist fraglich. Sicherlich bedenklich ist der Geist, den Rechtsaussen in der Bevölkerung heraufbeschwört.

Der Schriftsteller Peter Bichsel sagte in einem Radiointerview, das ich im Zwischenjahr hörte, er sei besorgt um die Schweiz:

«Die Schweizer wollen keinen Staat mehr, sie wollen ein Vaterland. (...) Und sie halten den Staat für den grössten Feind des Vaterlandes.» Die Liberalen, die einmal die Väter dieses Staates gewesen seien, würden nichts mehr tun, beklagt er. «Ich bin erstaunt, wie schnell sie nachgeben, nur für ein paar Prozente bei den Nationalratswahlen. (...) Ich bin nicht sicher, ob die Schweizer noch so brennend an der Demokratie interessiert sind.»

Mit dem Wahlzettel vor allem, nicht nur mit dem Stimmzettel, beeinflussen wir die Rahmenbedingungen von morgen und übermorgen. Demokratie bedeutet vor allem auch solide demokratische Strukturen. Statt dem Recht des Stärkeren, dem Recht der Schnelleren, Geschmeidigeren. Was Demokratie im Detail bedeuten und bringen kann, hat die vielsprachige Schweiz früher mal beispielhaft vorgemacht.

Als Citoyennes und Citoyens brauchen wir auch vielfältige, nachhaltige Information als Denk- und Diskussionsgrundlagen. Der Vielseitigkeit – in Themen, Zugriffen, Medienformen – ist auch die dritte Ausgabe von Neuland verschrieben. Die Beiträge der Januar-Ausgabe sollen zum Aufbruch einladen, neue Landschaften eröffnen, relevante Themen am äusseren Rand unserer Wahrnehmung aufgreifen. In diesem Heft erwartet Sie unter anderem eine Fotoreportage über die zwei Welten der Sami im hohen Norden Europas, ein Dokumentarfilm zum Thema Gehörlosigkeit und der Frage nach Implantaten, es geht um Lyrik, Fernsehen und Politik. Mit Beiträgen ausschliesslich von freischaffenden AutorInnen setzt neuland auch ganz grundsätzlich auf Vielseitigkeit.

neuland sieht sich, auch mit einiger Gratisarbeit, ganz klar als (kleinen) Beitrag zur Medien- und Informationsvielfalt, ohne die es, wie es der Soziologie- und Medienprofessor Kurt Imhof nicht müde wird zu wiederholen, keine Demokratie geben kann.

Allen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die uns mit ihrem Interesse, ihrem freiwilligen Abonnement oder in anderer Art bestärken, danke ich im Namen von neuland sehr herzlich. Nun geht es auf ins Unbekannte. Schön, sind Sie dabei!

Für neuland #3
Anita Hugi

PS für Interessierte: wir haben jetzt auch ein Geschenkabo inklusive neuland-Geschenkkarte.

neuland #4 erscheint am 4. Februar 2011.