Zwischen
zwei Welten

                                                                 

Ich bin hier, um mich mit den ursprünglichen Jägern und Sammlern zu beschäftigen und um dadurch verstehen zu können, was unsere «modernen Jäger» wohl antreibt. Ich bin hier, um zu sehen, ob das Land, wenn es spricht, auch welche hat, die seine Sprache übersetzen können. Auf der Suche nach Stille bin ich hier, um mit dem Hören neu zu beginnen.

Im August 2007 bin ich zum ersten Mal hierher gefahren. Hier, das ist die fennoskandinavische Arktis. Ich war gekommen, um eine Sami kennen zu lernen. Ich hatte ihr geschrieben, dass ich die arktische Landschaft und ihre Menschen kennen lernen will. Ich wusste nicht sehr viel über die Sami, und erst jetzt merke ich, dass ich eigentlich gar nichts wusste über sie.

Am Tag der Ankunft kochten wir eine Suppe mit Moos, das wir von den Bäumen pflückten. Ich spaltete Holz und schichtete es auf. Ich wusch das Geschirr. Ich sah ihr zu, wie sie Vögel ausnahm, die sie später zubereitete. Ich hörte, wie sie Sami sprach, ihre Muttersprache. Es klang langsam und melodisch. Ich könnte eine ganze Reise im Kopf unternehmen, wenn ich die Stimmung dieser Sprache höre, ihre Tonlage, ihren Rhythmus. Sie erzählte mir Geschichten aus ihrer Familie und ihrer Kultur. Ich hätte tagelang zuhören können.

Das ist wohl der Grund, weshalb ich immer noch hier bin. Während dreier Jahre bin ich mehrmals wieder gekommen und wieder gegangen.

Jetzt bin ich in Kautokeino, Norwegen. Ich wohne bei einer Familie und lerne die Sprache der Sami. Die Familie habe ich im Oktober 2008 kennen gelernt. Sie sind Rentierhirten. Während meiner Zeit hier mache ich Bilder, Filmaufnahmen und schreibe Tagebücher. Ich bin mir nicht sicher, was daraus und aus dieser ganzen Erfahrung entstehen wird. Früher glaubte ich zu wissen, was wichtig ist. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher.

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weiterlesen: Begleittext von Erika Larsen


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