Agon*

                                                             

Boxen ist ein tragischer und grausamer Sport.

Boxen ist ein Drama; Boxen handelt vom Fühlen und Ertragen von Schlägen und Schmerzen; es ist die Selbstbestimmung, körperliche und geistige Leiden zu erleben, um ein Ziel zu erreichen. Diese menschliche Kondition des kontinuierlichen Leidens während der harten und streng disziplinierten Trainingszeit oder während des Spektakels des Kampfs interessiert mich sehr.

Die Vorbereitungen auf einen Kampf gleichen einem Ritus, der aus Momenten intensiver Verinnerlichung, aus körperlichem und mentalem Schmerz sowie Erschöpfung innerhalb des Trainings und der Erwartung auf den Kampf besteht. Das erlaubt mir, die Boxerinnen in intimen Momenten, in einem Zustand von gespannter Ruhe, wenn sie in sich versenkt sind, zu fotografieren; wie auch die Grausamkeit und die Leidenschaft während des Boxkampfs, mit der sich zwei Frauen begegnen. Diese Situation ergibt sich nicht im alltäglichen Leben. Es ist etwas, das der gewöhnliche Mensch nicht kennt.

Auch weil Boxen eine traditionelle Männersportart ist, scheint der Frauen-Boxkampf weniger interessant für die Zuschauer und die Medien. Meine Aufmerksamkeit gilt den Frauen, die gegen diese Widerstände kämpfen. Die Boxerinnen kämpfen, um das Wesentliche des Boxens zu erleben: den Kampf und die Erkundung der eigenen mentalen und körperlichen Grenzen.

«Das ganze Leben ist ja ein Kampf und man merkt, dass es viele Parallelen zwischen dem Leben und dem Boxen gibt.» Jacqueline Fuchs, Schweizer Boxerin und Weltmeisterin.

* Agon: griechisch für Kampf und Wettkampf; Agon wird hergeleitet aus Agonie; Qual, Todeskampf.

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