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Aktuell: Joan As Police Woman – «The Deep Field»
Chrome: «Anthology 1978–83 / 2004»

 

 

Aktuell:
Joan As Police Woman
«The Deep Field»

Das dritte Album der schillernden Sängerin/Keyboarderin/Gitarristin Joan Wasser ist da. Ihr Spektrum deckt die reiche musikalische Frauenwelt von PJ Harvey bis Lhasa de Sela ab: von feurig expressiv bis abgründig melancholisch. Auch frühere Vorbilder sind herauszuhören: Annette Peacock und Laura Nyro, zwei halb vergessene Ikonen der 1970er Jahre.

Mit dem tiefgründigen zweiten Album «To Survive», auf dessen Coverbild Joan so wie Virginia Woolf auf dem berühmten Bild von 1903 im Profil abgelichtet ist, hatte Joan den Krebstod ihrer Mutter verarbeitet. Jetzt, zweieinhalb Jahre danach, hat die wirblige Joan mit «The Deep Field» die Lebensfreude definitiv wieder gefunden, was ihr hoffentlich bald auch ein grösseres Publikum bescheren wird.

Zum neusten Album nennt sie drei grosse Namen der Black Music als Inspiration: Al Green, Marvin Gaye und Stevie Wonder. Und Joan liebt das psychedelische Schlüssel-Album von Prince «Parade» von 1986. Gleichermassen melodiös und funky ist Joan Wasser eine sehr phantasievolle Komponistin, immer von hervorragenden Musikern aus der New York Downtown Musikszene umgeben: Doug Wieselman (g), Tyler Wood (keyb), Parker Kindred (dr, perc), Oren Bloedow (g,b), Timo Ellis (g), Joseph Arthur (voc), Fred Cash (b), Chris Brown (clavinet), u.a.

Den augenzwinkernden Humor von Joan Wasser gibt es im Video zur Single-Auskoppelung «The Magic» zu sehen:

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Quelle: www.youtube.com/watch?v=ZPqVig-ggMw
 

 

 

Ewig:
Chrome
«Anthology 1978–83 / 2004»

Im vergangenen Jahr wurde allerorts grosse Rückschau gehalten auf die Musik der 1980er Jahre. Da ich mich damals hauptsächlich mit dem «Underground» befasste, beziehungsweise mit Bands und Musikern, die maximal eine Halle von 1000 Leute füllten, habe ich mich mit den erfolgreichsten Acts des hippen Londoner Mute-Labels wie z.B. Depeche Mode kaum befasst. Die 1980er Jahre waren die grosse Zeit von zahlreichen «Independent Labels», die bewiesen, dass ein alternatives Vertriebsnetz durchaus erfolgreich aufgebaut werden kann. Es gab aber auch Schattenseiten: fehlende Qualitätskontrolle ist ein Stichwort. Bands wie The Fall, Tuxedomoon, Wire, Throbbing Gristle, Cabaret Voltaire sind in Dutzenden Alben (inkl. Soloalben und Split-Projekte) ausgeufert. Zu dieser Kategorie gehörten auch Chrome aus San Francisco mit Frontmann Damon Edge und Leadgitarrist Helios Creed. Ich hatte deren Anfänge gespannt mitverfolgt, dann aber Mitte der 1980er Jahre die Spur verloren. 2005 packte mich das Interesse wieder und seither habe ich sämtliche Chrome-Alben wieder zusammengetragen, nicht zuletzt mit Hilfe des Zürcher Musikers Rolf Brunner, der 1988-92 mit seiner Band Bloodstar beachtliche Erfolge im Ausland gefeiert und Chrome schon 1978 entdeckt hatte. Im August 1979 war die Band auf der Compilation «Subterranean Modern» des legendären Ralph-Labels aufgetaucht, zusammen mit MX 80 Sound und Tuxedomoon. Interessanterweise hatte sich ihr Début «Visitation» (1976) noch stark auf typische Westcoast-Bands wie Quicksilver Messenger Service oder Arthur Lee & Love bezogen. Doch dann war ihr genial spaciger «Acid-Punk» nicht mehr aufzuhalten und die Band schaffte eine eindrückliche klangliche Mischung mit Anklängen an Hawkwind, Faust, Can und Gong – aber auch Fad Gadget, Iggy Pop, Public Image Limited und Cabaret Voltaire. Ab 1985 riss Sänger Damon Edge das Steuer an sich, löste die alte Band auf und veröffentlichte weitere Alben auf New Rose (Paris) oder Dossier (Berlin). Selbst mit seinem frühen Tod im Sommer 1995 trug Edge noch zur Legendenbildung bei. Er hatte sich sozial dermassen von der Umwelt abgeschottet, dass er erst nach zwei Wochen tot in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Gitarrist Helios Creed hat seither unter dem Namen Chrome wieder zahlreiche Alben veröffentlicht.

Discografie von Chrome
Website von Damon Edge

Hier hören wir «Firebomb», das ebenfalls auf der Anthologie enthalten ist:

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Quelle: www.youtube.com/watch?v=yFP5zwwu3Nc