Fundstücke

In der Rubrik Fundstücke präsentieren wir in jeder «neuland»-Ausgabe einige Trouvaillen und Kulturtipps, die uns speziell am Herzen liegen. Aktuell­, vergangen, kurios, witzig, liebenswert, poetisch, interessant, katastrophal, aufgelesen oder zufällig – die Fundstücke laden Sie ein, in andere Welten abzutauchen.

The Hunchbacks:
«Not With Me»
 

Quelle: www.youtube.com/watch?v=x5nn4dqUToc

Bei YouTube nachzulesen: «swiss almost one hit wonder the hunchbacks with martin bolliger, thomas kern, philip sand and olifr maurmann.»

Gitarrist Thomas Kern hat später als Fotograf grössere Bekanntheit erlangt, und Bassist Olifr «GUZ» Maurmann ist heute Sänger, Gitarrist und Mastermind der «Aeronauten». «Not With Me» wurde im Rahmen der allerersten «DRS 3 SOUNDS Sessions» im Herbst 1988 eingespielt. Aufnahme und Mischung: Voco Fauxpas in den Artag Studios; Produzent: «neuland»-Mitherausgeber Daniel Hitzig.

Found Pieces

Die ausgebrannten Häuser wurden zu Fundstücken in dieser Stadt, in der ich seit vielen Jahren lebe. In vieler Hinsicht zeigen sie mir eine andere Seite Bangkoks, die ich früher nicht gesehen habe, aber jetzt sehe. Die Aufnahmen entstanden vor einem Jahr, während der Demonstrationen der Rothemden im Mai 2010.
Varsha Nair

www.varshashavar.com

«Boggsen»

Der Filmregisseur Jürg Neuenschwander hat einen erfrischenden Film über ein gut gehütetes Geheimnis gedreht: Über und mit Menschen, die nie richtig lesen und schreiben gelernt haben. Zehn Frauen und Männer geben bereitwillig Auskunft, sie erzählen, welche Tricks sie anwenden mussten, um im Beruf zu bestehen, wie es ist, an der Wandtafel zu stehen und von der ganzen Klasse ausgelacht zu werden und wie befreiend es sein kann, zu seiner Lese- und Schreibschwäche zu stehen. Ein Film mit Starfaktor, ist doch André Reithebuch, ehemaliger Mister Schweiz, einer der Protagonisten.
Judith Stofer

Trailer und Infos

Der Flug nach Milano

Nach Tsunami, Erdbeben und Reaktorunfall in Japan verlangen inzwischen die meisten Politiker im weit entfernten Europa plötzlich eine Denkpause in der Atompolitik. Das war schon einmal so. Nach Tschernobyl. Franz Hohler war schon vorher dagegen. Unter anderem wegen der nicht gelösten Frage des radioaktiven Abfalls. Einige Monate vor dem verheerenden Unfall in der Ukraine liess Franz Hohler seine Kunstfigur Dr. Willi Streuli verkünden: «Den Abfall behalten wir selber.» Streulis Abfallkonzept, das dem Verursacherprinzip folgt, ist einer der vielen Höhepunkte in Franz Hohlers vielleicht bestem Ein-Mann-Stück «Der Flug nach Milano», in dem ein Kidnapper ein Flugzeug entführt um damit die Umbenennung der Schweiz in «das Schweiz» zu erzwingen. Unzählige Mal hat der Kabarettist und Schriftsteller ab Ende 1985 die Crash Air 113 entführt, auch in der Mühle Hunziken in Rubigen BE, wo der Veranstalter an der Gebäudefassade eine Flugzeugnase in Lebensgrösse anbringen liess (und die CD aufgenommen wurde).
Christian Walther

Eine CD von Franz Hohlers Hörspiel «Der Flug nach Milano» (1985) kann via die Website des Zytglogge-Verlags bestellt (portofreie Lieferung) oder auf iTunes heruntergeladen werden.

Opulente Bilderwelt
am Fumetto

© Fumetto 2011/Loustal

Der April gehört zu den schönsten Monaten im Jahr. Nicht weil dann die Natur in voller Blüte steht, sondern weil das Internationale Comix-Festival Fumetto in Luzern stattfindet. Für Liebhaberinnen und Liebhaber von Bildergeschichten ein Muss. Mit einem opulenten Programm feiert das Fumetto in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag. Unter anderem mit Grössen wie Loustal, Noyau, Atak, Nine Antico, Yves Netzhammer und Daniel Clowes. Vom 9. bis 17. April, Luzern.
Judith Stofer

www.fumetto.ch

Im Reich der Schüssel
 

Quelle: www.youtube.com/watch?v=j8EPobWTlAs

Die Veranstaltung «Iran: Film for Freedom» zur Unterstützung der iranischen Regisseure Jafar Panahi und Mohammad Rasoulof Ende März in Zürich und Basel, auf die wir in den Fundstücken in Neuland Nr. 5 hingewiesen haben, hat im April und Mai eine Fortsetzung: In verschiedenen Kinos in Zürich, Bern und Basel findet ein Iran-Filmfokus und eine Retrospektive u.a. zu Jafar Panahi statt. Für jene, die die Filme des in der Schweiz noch weniger bekannten Mohammad Rasoulof im März verpasst haben, ergibt sich u.a. im Kino Xenix Zürich die Gelegenheit, seinen allegorischen Film «The White Meadows» (2009) noch einmal zu sehen. Die internationale Unterstützung der beiden zu Gefängnis und Berufsverbot verurteilten Regisseure stellt für sie tatsächlich Schutz dar.

Auf Youtube ist zudem Rasoulofs Dokumentarfilm «Im Reich der Schüssel» in deutscher Sprachversion und in voller Länge zu sehen. Die «Schüsseln», das Satellitenfernsehen, sind im Iran eigentlich verboten und gleichzeitig die einzige vertrauenswürdige Informationsquelle für die Bevölkerung. Ein Film, der nebst der paradoxen Situation im Iran vor allem auch: Spass macht!
Anita Hugi