KROKODIL-STEW «BURDULBA CREEK»

 

Kann man sich als Hauptfigur unbemerkt aus einer Geschichte davon stehlen? Kann man seine eigene Story schwänzen so wie man früher die Schule geschwänzt hat? Und wo ist man als Protagonist wenn man nicht in seiner Geschichte ist? In einem anderen Epos vielleicht? «Hektors Abschied» heisst ein Gedicht von Schiller, das die letzte Begegnung des trojanischen Helden mit seiner Frau Andromache schildert – erschütternde Zeilen voller Heldenmut und dunkler Bedrohung: «Nimmer lausch ich deiner Waffen Schalle – Müssig liegt dein Eisen in der Halle».

Hektor Maille hatte eigentlich keine Lust, in die nächste Episode seiner eigenen Helden-Geschichte einzusteigen. Aber natürlich war es als Lebensentwurf auch nicht sonderlich verlockend, von einem Achill erschlagen und dann drei Mal um die Mauern seiner Stadt geschleift zu werden. Die Alternativen waren unklar. Und also beschloss er schliesslich, doch noch anzutreten.

REZEPT
KROKODIL-STEW
«BURDULBA CREEK»

(Krokodil mit Tasmanischem Pfeffer)

 

VORBEMERKUNG

Als elfte Aufgabe seiner Mission in Australien sollte Hektor Maille im «Burdulba Creek» eine Krokodil-Pfanne kochen. Er entschied sich für ein Rezept mit Tasmanischem Pfeffer – vielleicht um eine Verbindung zu seiner lemusischen Heimat zu schaffen, wo dieser Pfeffer seit 2006 ebenfalls angebaut wird. Krokodil-Stew «Burdulba Creek» hat einen reichen, leicht scharfen, eher dunkel-blumigen Geschmack und arbeitet das spezifische Aroma von tasmanischem Pfeffer sehr gut heraus. Am besten man isst es mit etwas Brot.

ZUTATEN FÜR 2 PERSONEN

120 g geräucherte Speckwürfel oder Stäbchen
3 frische, rote Chilis, entkernt und flach gedrückt
800 g Krokodil-Voressen (Ragout)1
1 grosse Prise Salz
1 EL schwarzer Pfeffer
ev. etwas Rapsöl
4 dl kräftige Hühnerbrühe
3 Tomaten (ca.400 g), gehäutet und fein gehackt
400 g Kartoffeln, geschält, in eher kleinen Stücken
1 grosse Zwiebel, fein gehackt
0.5 dl Rotweinessig
1 dl Rotwein
3 TL Tasmanischer Pfeffer, leicht angedrückt

1 Im Unterschied zum EU-Raum, wo Krokodilfleisch relativ leicht zu bekommen ist, lässt es sich in der Schweiz so viel wir wissen nirgends kaufen. Als Ersatz kann man Kalbsragout verwenden. Natürlich lassen sich unter Berücksichtigung der anderen Kochzeiten auch andere Ragout-Sorten nach demselben Prinzip und mit aromatisch ähnlichem Resultat zubereiten.

ZUBEREITUNG

1. Eine schweren Topf nicht zu stark erhitzen und die Speckwürfel darin gründlich anbraten bis sie sehr knusprig und dunkelbraun sind. Die Scheiben aus dem Topf auf einen Teller heben, das ausgetretene Fett im Topf belassen.

2. Die Chilis in das Fett geben und anbraten, bis sie stark riechen und in der Nase oder im Hals stechen. Aus dem Topf heben und zu den Speckscheiben legen.

3. Das Krokodilragout salzen, pfeffern, portionenweise im Fett anbraten bis es allseits eine schöne, hellbraune Farbe angenommen hat. Auf den Teller mit dem Speck heben. Möglicherweise muss im Verlauf dieses Prozesses noch etwas weiteres Öl zugegeben werden.

4. Hühnerbrühe und Tomaten in den Topf geben, aufkochen lassen, Hitze reduzieren und rund 15 Minuten köcheln lassen, bis sich die Flüssigkeit um ein gutes Drittel reduziert hat.

5. Kartoffeln, Zwiebeln, Essig, Rotwein, das angebratene Fleisch, die Speckwürfel und die Chilis beigeben. Alles aufkochen lassen, Hitze auf ein Minimum reduzieren. Deckel soweit aufsetzen, dass nur noch ein feiner Spalt bleibt (etwa indem man einen Kochlöffel dazwischen schiebt). 30 Minuten lang köcheln lassen, gelegentlich umrühren.

6. Deckel abheben und nochmals 30 Minuten köcheln lassen. Mit Salz abschmecken. Man kann das Stew nun essen, es wird jedoch wesentlich besser, wenn man es den Aromen erlaubt, sich während einiger Stunden zu entwickeln, am besten 24 Stunden lang oder auch mehr. Also Hitze stoppen und, wenn Topf und Fleisch abgekühlt sind, in den Eisschrank stellen. Wenigstens zwei Stunden vor dem Essen aus dem Eisschrank nehmen, langsam erwärmen und zehn Minuten oder auch etwas länger köcheln lassen bis die Hitze in die Fleischstücke eingedrungen ist.