Verbrannte Erde

                                         

Fast 500 Atombomben zündeten die Sowjets zwischen 1949 und 1989 in der Region von Semipalatinsk – zu Testzwecken. Es war die Zeit des kalten Krieges, auf beiden Seiten des Eisernen Vorhanges wurde fieberhaft an der Weiterentwicklung der Bombe gearbeitet. Die Menschen waren diesen Tests mehr oder minder schutzlos ausgeliefert, dies durchaus auch beabsichtigt, um die Folgen eines möglichen Atomkrieges zu untersuchen.

Heute ist die immense Hitze, welche die Steppe verbrennen liess, längstens verpufft, der kalte Krieg Vergangenheit und Semipalatinsk eine kasachische Stadt im Osten des seit 1991 unabhängigen Staates. Geblieben ist eine Gegend, welche von kranken Menschen gezeichnet ist. Die Krebsrate ist doppelt so hoch wie in vergleichbaren nicht verseuchten Gebieten, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Menschen von Semipalatinsk sind gezwungen, die Folgen der Bombe in ihren Alltag zu integrieren. Unter einem riesenhaften Denkmal für die Opfer der Atomtests, welches einen Atompilz darstellt, stellen sich an Wochenenden im Zehnminutentakt die frisch vermählten Paare für das Hochzeitsfoto auf – und niemand scheint sich daran zu stören.

Die Arbeit «Verbrannte Erde» ist ohne Auftrag entstanden und Teil meines Langzeitprojektes mit dem Titel «Vor, nach und neben dem Krieg – Spurensuche an den Rändern der Konflikte».

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Weiterlesen: Begleittext «Verbrannte Erde» von Meinrad Schade zu seiner gleichnamigen Fotoreportage.