Fundstücke

In der Rubrik Fundstücke präsentieren wir in jeder «neuland»-Ausgabe einige Trouvaillen und Kulturtipps, die uns speziell am Herzen liegen. Aktuell­, vergangen, kurios, witzig, liebenswert, poetisch, interessant, katastrophal, aufgelesen oder zufällig – die Fundstücke laden Sie ein, in andere Welten abzutauchen.

Der Berg im Fokus

Daniel Shea: Larry Gibson’s Chair © 2007

«High altitude – Photography in the mountains», das ist der Titel des wunderschönen Fotobuchs, das im Rahmen des Bergfotografie-Festivals «Alt. +1000» herausgegeben wurde. Das Festival findet seit 2008 jährlich zwischen Juli und September im Dorf Rossinière bei Château-d’Oex statt und lädt Fotografen aus Ländern wie der Schweiz, Deutschland, England, Holland und den USA ein, sich mit dem Thema Berg und seinen Mythen auseinanderzusetzen. Die Fotografen, die mehrheitlich weitab von der Bergwelt leben, zeigen Bilder von spektakulären, beängstigenden, bedrohten und zerstörten Landschaften.

Photography in the Mountains
Edition 5 Continents, Mailand
Zweisprachige Ausgabe: Französisch/Englisch
30 x 24 cm, 112 Seiten
ISBN 978-88-7439-5888-0
Preis: 44.90 Franken

High altitude – Photography in the mountains:
www.plus1000.ch/catalog/
Alt. +1000, Festival de photographie de montagne:
www.plus1000.ch/welcome-2/

Saisonniers und Spiegelbilder

Fotograf Francisco Paco Carrascosa im Spiegel seiner Ausstellung.

Im Vorbeigehen ein Stück Kunst erhaschen: Das können Sie, wenn Sie an den drei öffentlichen Schaufenstern am Spalenberg 56 in Basel vorbeigehen. Sie können aber auch abbremsen, innehalten, verweilen und sich auf die Installation des Zürcher Fotografen Francisco Paco Carrascosa (www.paco-carrascosa.ch) einlassen. Unter dem Titel «Saisonniers und Spiegelbilder» hat er einen poetischen Fotoaltar eingerichtet. Traum- und Alltagsbilder, Erinnerungsfotos und Fundstücke laden zu einer Reise in eine andere Welt ein. Die künstlerische Reflexion und bildhafte Auseinandersetzung mit Massenmedien hat einen persönlichen Hintergrund: Die Beschäftigung mit Identität, Migration und Transformation ist für den Fotokünstler mit Migrationshintergrund Teil seiner Lebensgeschichte. Die neue Schaufenstergalerie der Basler Firma «erfolg» nutzt die drei Schaufenster seit diesem Frühling für wechselnde Ausstellungen im Bereich Kunst und Design. Die Ausstellungen werden im Abstand von zwei Monaten nach dem Prinzip «Künstler laden Künstler ein» kuratiert. Die Ausstellung läuft noch bis 16. Oktober 2011. Dann übergibt Francisco Paco Carrascosa an neuland-Autor Hans Stofer.

Stirb, schöner Engel

Bis anhin habe ich alle vier Krimis mit dem Stadtzürcher Privatermittler Jakob «Köbi» Robert richtiggehend verschlungen. Lange musste ich auf den fünften warten – nun ist er endlich erschienen und er enttäuschte mich nicht. Wiederum spielt die Stadt Zürich eine wichtige Rolle. Und wiederum schafft es der Zürcher Autor Stephan Pörtner (www.stpoertner.ch) mit einfachen Mitteln und ohne reisserisches Blutvergiessen Spannung aufzubauen, so dass ich das Buch erst wieder weglegen konnte, nachdem ich die letzte Seite gelesen hatte. Pörtner (Jahrgang 1965) ist ein genauer Beobachter, ein präziser Schreiber und er erzählt ohne Schnörkel. Allein schon seine Milieuschilderungen haben einen süchtig machenden Faktor. Der neueste Fall von Köbi Robert beginnt an einem autofreien Sonntag im Dezember 1973. Eine junge Skilehrerin wird in einem Bündner Nobelkurort ermordet aufgefunden. Der junge, sympathische Polizeigefreite Gion Kundert ermittelt zusammen mit seinen abgebrühten Kollegen. Kundert, hartnäckig und integer, ist dem Mörder auf der Spur – doch ein Filz von Geld und Macht lassen ihn scheitern. Dreissig Jahre später nimmt Köbi Robert den Faden nur widerwillig auf. Stephan Pörtners Krimis mit Privatermittler Köbi Robert stehen ganz und gar in der Tradition von Friedrich Glauser und Sam Jaun – etwas besseres in Sachen Krimis hat die Schweiz schon lange nicht mehr gelesen.

Stephan Pörtner: Stirb, schöner Engel. Ein neuer Fall für Ermittler Jakob «Köbi» Robert, Bilgerverlag (www.bilgerverlag.ch), Zürich 2011, 398 Seiten.

Alltag fern des Alltäglichen

Mohammed Khader füttert Tauben in den Ruinen seines Hauses in Jabaliya, nördlicher Gazastreifen, welches während der Offensive Israels zerstört wurde.
2009, Jabaliya, Gazastreifen, Palästina. Von Eman Mohammed

Eine Wanderausstellung kuratiert von Nicole Aeby und Silvia Luckner mit Arbeiten von Eman Mohammed, einer jungen Fotografin aus Palästina, die das tägliche Leben in den besetzten Gebieten dokumentiert, Bilder des Kolumbianers Juan Manuel Barrero Bueno über die Menschen im bürgerkriegsgeplagten Land und von Jashim Salam über die unwürdigen Arbeitsbedingungen in den Abwrackwerften Bangladeschs.

www.helvetas.ch/wDeutsch/media/medien/medienmitteilungen/2011_ausstellung_kalender.asp?navtext=Medien

Arnas Kinder


Der Film, der in Youtube in voller Länge zu sehen ist, gibt einen direkten Einblick in ein Theaterprojekt in Jenin und ins Leben der daran teilnehmenden palästinensischen Kinder. Sie lieben das Theater von Arna und wollen, wenn sie gross sind, Schauspieler werden! Zehn Jahre später ist nur noch einer der Buben am Leben. Die anderen sind während dem israelischen Angriff auf Jenin oder als Selbstmordattentäter gestorben.

Pour une république des rêves!

Tipp für einen besonderen Herbstausflug: Noch bis Ende Oktober findet unweit der Schweizer Grenze eine tolle Kunstausstellung statt: im CRAC Alsace im kleinen Städtchen Altkirch, dem Hauptort des Südelsass. Es sind insbesondere auch Werke von Schweizer Künstlerinnen und Künstler zu sehen: von Silvia Bächli etwa, den Fotografen Thomas Flechtner und Balthasar Burkhard u.v.m.
Das CRAC Alsace befindet sich in einem von Bäumen umstandenen, altehrwürdigen Haus hinter der grossen Kirche. Von Basel ist Altkirch per Auto in 20 Minuten erreichbar, mit dem Zug via Mulhouse in 40 Minuten. Das CRAC hat ein Kaffee, Essen kann man z.B. im Restaurant La Victoire oder in einer Beiz im Umland.
Öffnungszeiten: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa und So nachmittags 14.30-19 Uhr

www.cracalsace.com