Richard Dindo*1944

1944 in Zürich geboren, lebt Richard Dindo seit vierzig Jahren zwischen seiner Heimatstadt und Paris. Nach Paris zu gehen war die wichtigste Entscheidung seines Lebens. Dort erlebte er die 68-er Ereignisse und besuchte jahrelang die französische Cinémathèque, in der man jeden Tag fünf verschiedene Spielfilme sehen konnte. Dokumentarfilme waren damals noch ziemlich selten. Es ist eigentlich die 68-er Generation, die einen neuen Typus von Dokumentarfilm schuf, den gleichzeitig essayistischen und politischen, manchmal auch poetischen und epischen Dokumentarfilm.

Dindos Filme sind oftmals untypische oder «unreine» Dokumentarfilme, weil sie meistens in der Vergangenheit spielen, sodass die Kamera keine Ereignisse filmen konnte. Diese hatten immer schon stattgefunden, die «Helden» waren schon lange tot. Die Frage war deshalb immer wieder, «wie kann man mit einem Dokumentarfilm Vergangenheit darstellen?». Der Filmemacher versucht nicht Ereignisse abzufilmen die vor seiner Nase stattfinden und damit «Augenblicke der Wahrheit» zu schaffen, sondern über «leere Orte», Augenzeugenberichte und Dokumente quasi metaphorisch die «unsichtbare Vergangenheit» darzustellen, um  dann über die  Montage eine «Dramaturgie der unaufhaltsamen und tragischen Niederlage» zu rekonstruieren.  Dindo illustriert damit immer wieder den Satz von Malraux, dass erst der Tod das Leben im Nachhinein zu einem Schicksal macht.

Filmographie

Publikationen bei «neuland»

#8: Film: Ni olvido ni perdón