Totschweigen

Der Ort der Schweigemauer

Die langen Dokumentarfilme sind während 30 Tagen auf neuland zu sehen. Für diesen Film ist die Publikationszeit abgelaufen.
 


Ein Film von Eduard Erne

Rechnitz – das ist der Name eines kleinen Ortes direkt an der österreichisch-ungarischen Grenze, die lange Zeit der Eiserne Vorhang war. Dahinter war der Ostblock. Der Kommunismus. Heute ist die Grenze offen, die Spuren verwischt. Eine neue Zeit hat begonnen.


Auch an das Ende des 2. Weltkrieges erinnert kaum noch etwas. Dabei wurde Rechnitz zur Metapher für Österreichs schlampigen Umgang mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit. Denn zehn Tage vor Ende des Krieges wurden dort 180 erschöpfte und kranke jüdische Zwangsarbeiter in einer makabren Mordaktion erschossen. Die Mörder feierten ein Fest auf dem Schloss der Gräfin Margit Batthany in Rechnitz. Nach dem Töten tanzten sie weiter.

Die Opfer waren Juden aus Ungarn, die von den Nazis zur «Vernichtung durch Arbeit» freigegeben worden waren. Sie sollten ein Bollwerk bauen, den Südostwall, gegen die anrückende Sowjetische Armee.

Seit Jahrzehnten sucht die Israelitische Kultusgemeinde Wien den Ort dieses Tötens, das Massengrab, in dem die Erschossenen verscharrt wurden. Doch die Menschen von Rechnitz schweigen, sie geben keine Hinweise, wo dieser Ort sein könnte. Der Film «Totschweigen» hat die Suche nach dem Massengrab vier Jahre (1989-1994) lang dokumentiert. Und wurde für Elfriede Jelinek zur Inspiration für ihren Theatertext «Rechnitz (Der Würgeengel)».

Regie: Margareta Heinrich undEduard Erne
Kamera: Hermann Dunzendorfer, Hans Hager, Fritz Köberl
Schnitt: 
Paul M. Sedlacek, Regina Turkka-Schubert
Ton: Oliver Stummer
Dauer: 88 Min.
Produktion: Lukas Stepanik, Roy Dames, Dieter Reifarth
Produktionsfirma: Extrafilm, Strandfilm, Nederlands Film Institut
Produktionsjahr: 1994