Das Fundament der Schweiz ist multikulturell

Von den Römern abgekupfert: Keltische Goldmünze, Viertelstater; Basel-Gasfabrik; Spätlatènezeit, ca. 150 - 80 v. Chr.
Foto: Philippe Saurbeck, Archäologische Bodenforschung, Basel

Römer, Alamannen, Franken – die Schweiz wird seit jeher von fremden Einflüssen geprägt. Nur einmal war die Schweiz eine Insel im europäischen Raum – als sie von Bauern umzingelt war. Interview mit dem Archäologen Guido Lassau.

Guido Lassau, auf welchem Fundament ist die Schweiz gebaut?

Guido Lassau: Es gibt keine schweizspezifischen kulturellen Wurzeln, die über Jahrtausende zurückverfolgt werden können. Das Gebiet der heutigen Schweiz war immer Teil grossräumiger Strömungen und war in den vergangenen Jahrtausenden tiefgreifenden Veränderungen unterworfen. Die Veränderungsprozesse liefen grösstenteils ganz langsam ab. Es gibt aber auch abrupte Wendepunkte.

Was sind das für Wendepunkte?

G.L.: Zum Beispiel die Besetzung durch die Römer. Die römischen Besatzer haben eine ganz andere Kultur mitgebracht. Die damalige Bevölkerung auf dem Gebiet der Schweiz, die Kelten respektive die Helvetier, mussten sich an die römischen Sitten anpassen. Allerdings waren sie seit längerem von der römischen Lebensart fasziniert. Vor der Besetzung importierten die Kelten viele Güter aus dem Süden, vor allem Luxusgüter wie Wein. Das Weintrinken wurde Teil ihrer Kultur. Man kann dies heute mit der Faszination der nordamerikanischen Lebensart vor 30, 40 Jahren vergleichen. Damals wurden zahlreiche Produkte aus den USA in die Schweiz importiert, die wir noch nicht kannten. Mit dem Unterschied allerdings, dass uns die Amerikaner im Gegensatz zu den Römern nie besetzten.

Wie kam es, dass die Kelten bereits vor der Besetzung von der römischen Lebensart fasziniert waren?

G.L.: Zuerst waren Römer und Kelten Nachbarn, die zum Teil enge Handelsbeziehungen pflegten. Als Basel keltisch war, besetzten die Römer aber die Region von Genf, so um 100, 120 v. Chr., nachdem sie ihre Erzrivalen, die Karthager, endlich besiegt hatten. Die Römer hatten damit quasi den Rücken für eine Expansion nach Norden frei. Mit der Zeit wurden die Römer somit zu einem Bedrohungsfaktor für die Kelten in Basel, weil sie immer näher rückten.

Durch welche Funde lässt sich die Faszination der Kelten für die römische Kultur belegen?

G.L.: In keltischen Grosssiedlungen, sogenannten Oppida, fand man viele Weinamphoren und Weinsiebe, die im Mittelmeerraum in Gebrauch waren. Diese sind von der damaligen keltischen Oberschicht importiert und benutzt worden. Sie liessen sich das auch etwas kosten. Die Kelten verkauften den Römern Sklaven, die sie auf Kriegszügen – auch gegen verfeindete keltische Stämme - erbeutet hatten, und erwarben von ihnen im Gegenzug Luxusgüter. Das lange gültige idyllische Bild der Kelten bekommt mit den heutigen Forschungsergebnissen immer mehr Risse. So wurden etwa Fuss- und Handfesseln gefunden, Belege dafür, dass sich die Kelten Sklaven beziehungsweise Leibeigene hielten – insbesondere auch keltische Gefangene aus Stammeskämpfen. Caesar beschreibt in seinem Buch «Der gallische Krieg»* den feindlichen Umgang der Kelten untereinander ausführlich.

Welches sind weitere wichtige Veränderungen auf dem früheren Gebiet der Schweiz?

G.L.: Technische Innovationen, wie die Herstellung von Bronze, brachten wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen. In der Bronzezeit, um 2200 v. Chr. bis 800 v. Chr., legten die Menschen grosse Distanzen zurück, um an die Rohmaterialen Zinn und Kupfer zu gelangen. Zinn kommt unter anderem in England und der Bretagne vor, Kupfer im alpinen Raum. Wenn man also Bronze herstellen wollte, musste man die Rohmaterialien von weit her holen. Dabei fand immer auch ein Technologietransfer statt. Durch den Austausch von Ressourcen und Technik entstanden grosse Kulturräume. Und es bildeten sich gesellschaftliche Oberschichten heraus, die diese Ressourcen kontrollierten. Gleichzeitig stellte man Waffen und Rüstungen aus Metall her. So entwickelte sich in der Spätbronzezeit auch ein Kriegswesen, welches sich an Kampftechniken des östlichen Mittelmeerraums orientierte.

Die Schweiz war kein isoliertes Gebiet. In der Bronzezeit importierte man Zinn und exportierte Kupfer, es fand ein Technologietransfer in das Gebiet der heutigen Schweiz und umgekehrt statt. Es gibt ein schönes Beispiel aus der sogenannten Glockenbecherzeit, dem letzten Abschnitt der Jungsteinzeit unmittelbar vor dem Beginn der Bronzezeit, das diesen Austausch belegt. In der Nähe von Stonehenge in England, wurden Gräber mit Skeletten in seitlicher Hockerlage gefunden, die Keramikbecher in Glockenform und Metallgegenstände aus Kupfer bei sich hatten. Man nimmt an, dass es sich bei den Toten um Vermittler der neuen metallverarbeitenden Technik handelte. Bei der Analyse eines der Skelette stellte man fest, dass der Tote den grössten Teil seines Lebens im Berner Oberland verbracht hatte, bevor er in England bestattet wurde.

Die Schweiz war also vielen Einflüssen unterworfen. Wie steht es mit dem legendären Urschweizer?

G.L.: Was heisst hier Schweizer? Mit der Besetzung durch die Römer vermischten sich die Kelten allmählich mit diesen. Als das römische Reich durch die Germanen, die Alamannen, bedroht wurde und sich die Römer zurückzogen, blieb die sogenannte gallorömische oder romanische Bevölkerung zurück. Diese vermischte sich später mit den Alamannen. Die Schweizer respektive die Bevölkerung in der Region Basel sind also eine über Jahrtausende entstandene Mischung aus Kelten, Römern, Alamannen und Franken.

Wenn man heute die Landkarte anschaut, wirkt die Schweiz wie eine Insel im europäischen Raum. Gibt es Parallelen in der Vergangenheit?

G.L.: Am Ende der Mittelsteinzeit vor rund 7000 Jahren war die Schweiz Rückzugsgebiet. Die Menschen lebten in unserer Gegend noch als Jäger und Sammler. Gleichzeitig breitete sich aber von Südfrankreich und vom Donauraum her eine neue Lebensform aus: Die Bauern, die ihre Nahrung selber produzierten. Zangenförmig breiteten sich diese Strömungen in Richtung Mitteleuropa aus. Die Lebensräume der Jäger und Sammler wurden immer mehr eingeschränkt, bis das Gebiet der heutigen Schweiz mehr oder weniger ein Rückzugsgebiet einer alten Lebensweise wurde. Die Schweiz war quasi umzingelt von Bauern.

Wie tief müsste man im Boden graben, um Spuren unterschiedlichster Kulturen zu finden?

G.L.: Auf dem Münsterhügel in Basel sind es 3,5 bis 4 Meter Kulturschicht. Also eine sehr mächtige Schicht. Da kann man oben anfangen zu graben und stösst zuerst auf die Bebauung der Neuzeit, der Industrialisierung, der frühen Neuzeit mit ihren Bezügen zur Reformation, des Mittelalters und vor allem auf die Bauten der römische Zeit und schliesslich zuunterst auf die Siedlungsreste der keltischen Zeit sowie der Bronzezeit.

Basel ist der Ort in der Schweiz, der in archäologischer Hinsicht sehr viel zu bieten hat, hier finden sich mit Abstand die mächtigsten Kulturschichten. An anderen Orten stossen wir vielleicht auf eine Kulturschicht aus der Bronzezeit oder aus einer anderen Epoche, aber selten gleichzeitig auf mehrere Epochen. Dass das in Basel anders ist, hat mit der Topographie am Rhein zu tun. Den Basler Münsterhügel konnte man gut verteidigen, hier war ein guter Ort für den Handel, der Basler Münsterhügel war aber auch ein ausgezeichneter Repräsentationsort; hier residierte der Bischof. In Basel lassen sich viele Wendpunkte in der Geschichte archäologisch erfassen.

Zur Person

Guido Lassau in seinem Büro am Petersgraben in Basel. Foto: Judith Stofer

Guido Lassau, lic. phil I / MAS Uni BS, ist 1963 in Zermatt geboren. 1985–1993 Studium der Ur- und Frühgeschichte, Geschichte des Mittelalters und Mittelalterarchäologie an der Universität Zürich. 1985-1994 Teilzeitanstellung beim Büro für Archäologie der Stadt Zürich. 1987 und 1988 Vollzeitanstellung als Unterwasserarchäologe bei der Ausgrabung des spätbronzezeitlichen Dorfes Greifensee-Böschen. 1994-2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Adjunkt der Kantonsarchäologie Aargau. 2001-2003 Masterprogramm Kulturmanagement an der Universität Basel. Seit 2002 ist er Kantonsarchäologe des Kantons Basel-Stadt. Seit 2008 ist er Vorstandsmitglied und Präsident der Konferenz Schweizer Kantonsarchäologinnen und Kantonsarchäologen (KSKA).

Mehr zur archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt unter www.archaeobasel.ch.

Wird heute noch viel ausgegraben?

G.L.: Es ist uns bewusst, dass unsere Quellen zur Geschichte, die archäologischen Fundstellen, endlich sind. Sie wachsen nicht nach wie Bäume. Wir graben heute nachhaltig. Das heisst, wir graben nur, wenn es unbedingt nötig ist. Zum Beispiel wenn durch ein Bauprojekt eine wichtige Fundstelle zerstört wird. Dann untersuchen wir im Vorfeld der Bauarbeiten die Fundstelle, graben sorgfältig und dokumentieren den Abbau der Kulturschichten so, dass auch spätere Generationen etwas über ihre eigene Geschichte erfahren. Archäologen sind Brückenbauer zu früheren Zeiten.

Sehr oft stossen Sie auf Skelette. Was passiert mit ihnen?

G.L.: Nach der Dokumentation bergen wir sie und lagern sie in unserem Depot, damit sie für spätere Untersuchungen zur Verfügung stehen. Es tönt vielleicht makaber, der Ersatzfriedhof für jene, die nicht ihre ewige Totenruhe gefunden haben, liegt bei uns im von Industrie geprägten Dreispitzareal. Vor noch nicht allzu langer Zeit haben wir dort eines der grössten Funddepots der Nordwestschweiz eingeweiht, wo wir auch die Skelette aus Basler Fundstellen aufbewahren.

Der Umgang mit Skeletten ist heikel. Bei Umbauarbeiten im Kollegiengebäude der Universität Basel im Frühling 2003 kamen mittelalterliche Gräber des ehemaligen jüdischen Friedhofs zum Vorschein. Sie gerieten damals unter Druck. Was war schief gelaufen?

G.L.: Grundsätzlich ist es so, dass uns jedes Bauprojekt in der Basler Altstadt zur Stellungnahme vorgelegt wird. Wir gleichen mit unserer Fund-Datenbank ab, um abschätzen zu können, was zu erwarten ist. Im Falle des Kollegiengebäudes ging es vergessen, uns zu einer Stellungnahme einzuladen. Der Bauherr fing mit den Bauarbeiten an und stiess relativ schnell auf Skelette. Hätte man uns vor Baubeginn informiert, hätten wir sehr schnell gehandelt, um die Bodeneingriffe möglichst auf ein Minimum zu reduzieren. Denn wir wussten, dass sich dort ein mittelalterlicher jüdischer Friedhof befand.

Um 1349 fand in Basel, wie in zahlreichen anderen Städten, ein erster Pogrom an der jüdischen Bevölkerung statt. Menschen jüdischen Glaubens wurden vertrieben oder ermordet. Die Skelette, auf die man bei den Umbauarbeiten im Kollegiengebäude gestossen war, gehörten zum mittelalterlichen jüdischen Friedhof am Petersplatz, der bis 1349 dort existierte und nach dem Pogrom verwüstet wurde.

Finden wir einen christlichen Friedhof aus dem 13. oder 14. Jahrhundert, dann stört es niemanden, wenn wir die Skelette bergen. Die christliche Religion hat einen anderen Umgang mit den Toten. Auf christlichen Friedhöfen werden heute die Gräber nach 25 Jahren aufgehoben. In der jüdischen Religion ist das ganz anders. Dort gilt die ewige Totenruhe: Gräber dürfen nicht aufgehoben oder verändert werden.

Als wir von den Funden erfuhren, nahmen wir deshalb sofort Kontakt mit dem Rabbiner der Israelitischen Gemeinde Basel auf. Wir vereinbarten mit ihm, dass wir die Skelette vor Ort dokumentieren, sie danach sorgfältig heben und sie anthropologisch, ohne die Anwendung von invasiven Methoden, untersuchen. Und wir machten mit ihm aus, dass die Skelette auf dem heutigen jüdischen Friedhof bestattet werden. Es wäre alles unproblematisch gewesen. Leider wurde die Geschichte von den Medien aufgegriffen und wir kamen vor lauter Protesten von orthodoxen jüdischen Kreisen und einer international orchestrierten Kampagne durch die jüdische Organisation «Committee for the Preservation of Jewish Cemeteries in Europe» mit Sitz in London ziemlich unter Druck. Wir wurden zu Sündenböcken, obwohl wir nicht die Bauherren waren. Ich musste sogar bei Mitarbeitenden von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey vorsprechen und die Sachlage erklären, da auch zahlreiche Protestschreiben beim Bundesrat eingingen. Als sich die Wogen etwas gelegt hatten, wurden die Skelette feierlich auf dem heutigen jüdischen Friedhof in Basel beerdigt. Wir durften an der Wiederbestattung teilnehmen. Das war ein schöner und sehr versöhnlicher Anlass.

Auch unter dem Bundeshaus Ost vermutet man einen jüdischen Friedhof aus dem 13. Jahrhundert. Es wurden Fragmente von zwei jüdischen Grabsteinen gefunden.

G.L.: Archäologisch ist der Friedhof nicht sicher dokumentiert. Es gibt Hinweise darauf, dass sich 13. Jahrhundert im Umfeld des Bundeshauses Ost ein Friedhof und eine Synagoge der ersten jüdischen Gemeinde Berns befanden. Diese Vermutungen wurden durch die archäologischen Ausgrabungen im Vorfeld des Neubaus des Bundeshausplatzes verstärkt. Durch mehrere Pogrome wurde die jüdische Bevölkerung Berns vertrieben und zu einem grossen Teil ermordet. Nachdem man die Juden verfolgt, verjagt oder ermordet hatte, wurden ihre Häuser, ihr Besitz von der einheimischen Bevölkerung vereinnahmt. Man bereicherte sich am Leid der jüdischen Bevölkerung.

In Bern sorgte die Geschichte für grosse Aufregung. Heute erinnert eine Informationstafel am Bundeshaus Ost an die jüdische Geschichte der Stadt Bern. Kann man sich als Archäologe dahinter stellen?

G.L.: Es stellt sich immer die Frage: Wie wichtig ist es, auf die jüdische Vergangenheit an einem bestimmten Ort hinzuweisen? Welche Form wäre angemessen? Dass man die antijüdische Geschichte verdrängt, unter den Teppich kehrt, ist nicht richtig. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Vergangenheit sichtbar zu machen. Mit einem archäologischen Fenster, mit einem Zugang zu einem archäologischen Keller oder mit einer Publikation. Man findet immer wieder Hinweise auf die jüdische Vergangenheit in der Schweiz. Für mich steht eigentlich die vorgesehene Nutzung eines Platzes oder eines Gebäudes im Vordergrund bei der Entscheidung, in welcher Form auf Geschichte aufmerksam gemacht werden soll. Ich habe da eher einen pragmatischen, keinen ideologischen Ansatz.

Die Präsenz der jüdischen Bevölkerung lässt sich sehr weit zurückverfolgen. 2001 fand man im aargauischen Kaiseraugst einen Ring mit einem jüdischen Symbol. Wie ist dieser Fund einzuschätzen?

Ältestes jüdisches Zeugnis

Menora-Ring, gefunden im Juni 2001 in der Römerstadt Augusta Raurica, Kanton Aargau. Foto: zvg

Der Archäologe Ludwig Berger datiert den Menora-Ring ins 4. Jahrhundert n. Chr. Berger war früher hauptamtlicher Kantonsarchäologe von Basel-Stadt sowie Grabungsleiter in Augst. Er war zudem Professor für Archäologie am Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Basel. 2005 ist von ihm ein Buch über den sensationellen Fund erschienen.

Buchhinweis
Ludwig Berger: Der Menora-Ring von Kaiseraugst. Jüdische Zeugnisse römischer Zeit zwischen Britannien und Pannonien. Forschung in Augst, Band 36, Augst 2005.

G.L.: Dieser Fund aus dem 4. Jahrhundert in der Römerstadt Augusta Raurica ist eine Sensation. Der Ring mit der Menora, dem siebenarmigen Leuchter, ist ein früher Hinweis auf die Präsenz der jüdischen Religion auf dem Gebiet der Schweiz. Bereits in römischer Zeit lebten Menschen jüdischen Glaubens hier in unserer Region.

Als Archäologe gräbt man aus, stösst auf einen interessanten Fund und dokumentiert ihn. Dann deckt man die Fundstelle wieder zu, überbaut das Gelände. Tut das einem Archäologen nicht weh?

G.L.: Ja, das kann wehtun, je nach dem, wie wertvoll der Fund ist. Manchmal wäre es schön, wenn man Fundort und Fundgegenstand für die Öffentlichkeit sichtbar machen könnte. Dieser Ort muss dann aber bespielt, inszeniert werden. Aber das ist aus unterschiedlichen Gründen nicht immer möglich. Wenn Archäologen etwas ausgraben, dann zerstören sie es gleichzeitig. Sie tragen Schichten ab, bergen Funde, katalogisieren, dokumentieren, fotografieren, beschreiben, nehmen Proben. Das ist die Grundlage, um die Originalsubstanz wieder zu rekonstruieren und daraus Geschichte zu schreiben. Wir lesen den Boden mit seinen Fundstücken und Gegenständen aus früheren Kulturen wie ein Buch. Das ist unsere Tätigkeit.

Sie haben erwähnt, dass Sie einen pragmatischen Zugang zu den alten Spuren haben. Ist dies für einen Archäologen nicht unerlässlich?

G.L.: Ja. Archäologen können viel über den Alltag vergangener Epochen erzählen. Wie gingen die Menschen mit Geburt, Freude, Tod, Leid, Krieg und Krankheiten um? Dieser Bezug zu eigenen Lebenssituationen, die Einordnung von gesellschaftlichen Phänomenen, interessiert die Menschen. Zudem strahlen alte Objekte für viele Menschen auch eine Magie aus. Wir Archäologen bedienen viele Ebenen. Darum ist die Archäologie auch ein Thema in den Medien. Die Archäologie erzählt gute Geschichten; ist aber auch gleichzeitig seriöse Wissenschaft. Archäologie kann das Fundament beschreiben, auf dem wir stehen. Sie kann aber unsere heutige Zeit nicht erklären.

Link:
Virtuelles Museum der Archäologischen Bodenforschung Basel-Stadt

Buchtipp:
Yolanda Hecht/Andreas Niederhäuser,
Alltagskultur und Totenrituale der Kelten.
Ein Siedlungszentrum am Oberrhein um 100 v. Chr., Christoph Merian Verlag,
Basel 2011.

* Caesar, De bello Gallico (Der gallische Krieg). Zwischen 58 bis 51 v. Chr. eroberten die Römer Gallien. Im Buch werden die Feldzüge, aber auch die Kriege unter den verschiedenen keltischen Stämmen beschrieben.