Fundstücke

In der Rubrik Fundstücke präsentieren wir in jeder «neuland»-Ausgabe einige Trouvaillen und Kulturtipps, die uns speziell am Herzen liegen. Aktuell­, vergangen, kurios, witzig, liebenswert, poetisch, interessant, katastrophal, aufgelesen oder zufällig – die Fundstücke laden Sie ein, in andere Welten abzutauchen.

Wenn der Tod vom Himmel fällt

Die gezeichnete Reportage «Death in the Field» des schweizerisch-libanesischen Zeichners Chappatte hatte seine Premiere am Filmfestival Nyon. Chappatte thematisiert darin das Thema Streubomben, die Jahre und Jahrzehnte nach Kriegen und Konflikten weltweit viele Tausend Todesopfer fordern. Chappattes sehr eindrücklicher dokumentarischer Kurzfilm ist in Zusammenarbeit mit RTS und dem IKRK entstanden und ist auf deren Youtube-Channel online zu sehen.

Die Macht der Ideen

In weniger als 20 Minuten eine gute Idee verbreiten, das ist TED.com. TED steht für Technology, Entertainment und Design und glaubt an die Macht der Ideen, welche die Welt verändern. Neben zwei jährlichen Konferenzen in den USA, die erste fand 1984 statt, werden seit einigen Jahren auch Tagungen in anderen Ländern organisiert. Weiter gibt es jährlich Hunderte von unabhängigen Veranstaltungen rund um den Globus.

Die Videoaufnahmen der TED-Vorträge – die an den offiziellen Konferenzen einem exklusiven Kreis vorenthalten sind – werden unter www.TED.com veröffentlicht.
Die Vorträge sind jeweils in Englisch, auf der Website sind aber teilweise auch Übersetzungen auf Deutsch verfügbar.

Skurrile Postkartengrüsse

© Editeurs Plonk & Replonk

Das Künstlerkollektiv Plonk & Replonk aus La Chaux-de-Fonds besitzt einen exzellenten Sinn fürs Absurde. Der skurrile und poetische Humor zeigt sich insbesondere in ihren Postkarten. Seit rund 15 Jahren geben Plonk & Replonk Fotografien und Karten, die sie in Brockenhäusern und auf Flohmärkten, in Museen und Archiven finden, eine neue Dimension. Mit der Verfremdung traditioneller Postkartensujets, von Landschaften und Städten schaffen sie eine kuriose Gegenwelt der Schweiz.
Wer dem Freund, der Grossmutter oder dem Onkel schon lange wieder mal schreiben wollte: Das ganze Postkartensortiment kann auf der Website von Plonk & Replonk durchstöbert und online bestellt werden. Übrigens: Eine Auswahl der rund 400 Karten ist auch auf Deutsch erhältlich.

www.plonkreplonk.ch

Unterwegs mit Pedro Lenz und Carl Loosli

Der Berner Schriftsteller Carl Loosli (1877 bis 1959) hat ein Werk hinterlassen, das aufrüttelt, das nachdenklich und zornig macht. Loosli hat Zeit seines Lebens gegen Ungerechtigkeit angeschrieben. Er schrieb über die Versorgung von Kindern und «randständigen» Erwachsenen in Anstalten, er wies auf den Skandal der Verdingkinder hin und er kämpfte gegen den Antisemitismus in der Schweiz. Loosli schrieb aber auch Gedichte, Erzählungen und satirische Texte. Der Berner Schriftsteller Pedro Lenz hat eine Auswahl von Looslis poetischen Texten getroffen und sie im Buch «Loosli für die Jackentasche» vereinigt. Zum Buch gibt es eine Aufnahme der Lesung von Pedro Lenz in der Buchhandlung Hirslanden vom 7. September 2010 in Zürich. Der Live-Mitschnitt dauert rund 48 Minuten. Machen Sie sich eine Tasse Tee, nehmen Sie eine warme Decke, kuscheln Sie sich in einen bequemen Sessel und lassen Sie sich von Lenz in die Welt von Carl Albert Loosli verführen. Da kann der stürmische November und der eisige Winter ruhig kommen!

Loosli, Carl Albert: Loosli für die Jackentasche, Geschichten, Gedichte und Satiren. Hrsg. von Lenz, Pedro, September 2010, Rotpunktverlag, Zürich, 270 Seiten, ISBN 978-3-85869-426-3.

Hörprobe:
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Flug ins Ungewisse

Sie wissen nicht, wann sie abgeholt, in ein Flugzeug gesetzt und aus der Schweiz abgeschoben werden: die Häftlinge des Ausschaffungsgefängnisses Framboise bei Genf. Sie kochen, arbeiten, spielen Fussball, diskutieren, singen – und vor allem: sie warten. Dieses Warten kann bis zu 18 Monate dauern, und falls der Inhaftierte nicht freiwillig zur Abreise bereit ist, wird er geknebelt und von der Polizei begleitet in einem «Spezialflug», einem «vol spécial», ans Ausschaffungsziel transportiert. Der Dokumentarfilmer Fernand Melgar hat die Männer im Ausschaffungsgefängnis Framboise über Wochen mit der Kamera begleitet. Er hat, so in einem Gespräch, das «humanste» der insgesamt 28 Ausschaffungsgefängnisse der Schweiz ausgesucht, um zu zeigen, was es konkret heisst, wenn man von den «Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht» betroffen ist. Gerade dadurch wird das Inhumane dieses Gesetzes deutlich, mit dem Sans-Papiers und abgewiesene Flüchtlinge aufgrund einer rein administrativen Massnahme inhaftiert und abgeschoben werden können. Der Film von Melgar berührt, er macht wütend. Und er erinnert an frühere Zeiten in unserem Land, als sogenannt randständige Erwachsene «administrativ» interniert wurden.

Fernand Melgar und sein Team haben die ausgewiesenen Männer begleitet und dokumentiert, wie es ihnen an ihrem neuen Ort geht. Diese Porträts werden ab 2012 in einer von TSR (Télévision Suisse Romande) und Arte koproduzierten Webdokumentation zu sehen sein.
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