Episoda 110731 (Palermo)


Palermo (Italien)
Chiesa del Carmine Maggiore (Mercato di Ballarò)
Sonntag, 31. Juli 2011


Viva Maria

Die Wucht, mit der sich das Katholische in Palermo in Szene setzt, greift noch dem Ungläubigsten direkt ins Gemüt. Die Feier zu Ehren der Heiligen Madonna vom Karmel-Berg, deren farbige Holzfigur am 1. August auf einem hohen Wagen durch die Strassen rund um die Chiesa del Carmine Maggiore geschoben wird, wirkt rein visuell wie ein Fest aus ferner Vorzeit. Mit der Hilfe von zwei gut bestückten Blasorchestern aber pumpt sich das Ritual aus der Vergangenheit herauf und bombardiert sich mit Tonnen krachenden Schwarzpulvers in die Jetztzeit hinein.

Ein bisschen Menschlichkeit

Eine Miniatur von Peter Polter


Helios hielt den Himmel für einen schrecklich unterkühlten Betrieb. Das Leben der Menschen hingegen fand er voller Leidenschaft und voller Poesie. Das Wissen, dass sie sterben müssen, so sagte er, gibt dem Dasein der Menschen eine Wildheit und eine zerbrechliche Schönheit, die uns Göttern im Himmel fehlt. Eines Tages machte sich Helios auf, zu diesen Menschen hinab zu steigen, die er so sehr um ihr warmes Leben beneidete – und er nahm hierfür die Gestalt einer runden, leuchtend gelben Melone an.

Pasta con le sarde

Teigwarensauce mit Sardinen und Sardellen, Fenchel und Safran, Rosinen und Pinienkernen – ein Rezept zu Peter Polters Episoda 110731 (Palermo)


Das Fest der Maria SS del Monte Carmelo, an dem Peter Polter am 1. August 2011 teilnehmen konnte, gehört zu den ältesten religiösen Feiern der Stadt Palermo. Noch älter ist vielleicht das hier vorgestellte Rezept, in dem sich orientalische und europäische Elemente zu vermischen scheinen. Es erinnert darin an die Zeit um 1100, als die Normannenkönige Roger I & II in Sizilien eine kühne Synthese aus arabischer, byzantinischer und katholischer Kultur versuchten.

Die Pasta con le sarde ist vielleicht der Klassiker schlechthin der palermitanischen Küche. Erstaunlicherweise sind sich die meisten Rezepte recht ähnlich. Fenchel und Safran führen das Aroma an, dessen Basis eine verwegene Mischung aus salzigem Fisch und süssen Weinbeeren ist. In Palermo wird die Pasta con le sarde von April bis Oktober gekocht, wenn man in den Bergen wilden Fenchel und auf dem Markt frische Sardinen findet.

Wilder Fenchel ist ausserhalb Süditaliens kaum zu finden. Wir kochen das Gericht also mit dem Grün von gewöhnlichem Gartenfenchel. Zum Ausgleich geben wir ein paar getrocknete Wildfenchel-Früchte zu, die es in spezialisierten Geschäften zu kaufen gibt. Traditionell wird die Pasta con le sarde natürlich mit frischen Sardinen zubereitet. Dosenware hat jedoch ein intensiveres Aroma, was uns gut zum Charakter des Gerichts zu passen schien.

Zutaten (für 2 Personen)

Zubereitung