Von Hans Stofer aus London

Bitter-süss und «very British»

Der Genuss von Bitterorangen-Marmelade auf heissem Toast macht die Welt weniger «gfürchig», heisst es bei den Briten. Hans Stofer empfiehlt deshalb das Marmeladen-Rezept seiner schottischen Schwiegermutter zum Nachkochen

Die Briten können ohne ihren täglichen Bissen Bitterorangen-Marmeladen-Toast nicht klar denken. Der bitter-süsse Brotaufstrich aus andalusischen Bitter- respektive Sevilla-Orangen schmeckt am besten auf einem heissen mit gesalzener Butter dick aufgetragenem Toast, dazu trinkt man eine Tasse starken Tee oder Kaffee.

Danach ist für die meisten Briten die Welt «a less scary place».

Dieser klassische Aufstrich, erfunden im schottischen Dundee im späten 18. Jahrhundert von der Kaufmannsfrau Janet Keiller, gehört genauso zum britischen Alltag wie Fussball, die Musik, die Queen, das Bankenwesen und das schwarze Taxi. Und: Beim Verschlingen der Bitterorangen-Marmelade verschwinden die sonst in England sehr starren Klassenbarrieren.

Die Nachfrage nach der Marmelade ist heute in Grossbritannien genauso gross wie 1797, als die Familie Keiller die erste Marmeladenfabrik der Welt gründete, um der rapid gewachsenen Popularität dieser kulinarischen Kreation nachzukommen.

Und wenn man sich die Zeit nimmt, diese bernsteinfarbige, transluzente und mit fein gehackten Stückchen Sevilla-Orangen durchsetzte, bitter-süsse Masse selber zuzubereiten, dann erhält der Alltag nochmals eine andere Dimension.

Die hier zum ersten Mal veröffentlichten Rezepte stammen von meiner 83-jährigen Schwiegermutter, Lady Anne Morpeth, Schottin und leidenschaftliche Marmeladenmacherin und -geniesserin.

Enjoy!