Aktuell: Axel Krygier – «Pesebre» (2010)
Ewig: Atomic Rooster – «Heavy Soul» (Anthology 1970–74)
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Aktuell:
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Ein typische Entdeckung des belgischen Crammed-Labels. Das europäische Début des Argentiniers Axel Krygier (*1969), der seit 1999 bereits drei Alben veröffentlicht, Musik für Filme und Theater geschrieben hat und auf zahlreichen Compilations vertreten ist. Der Sänger und Multi-Instrumentalist Krygier spielt Keyboards (Akkordeon, Piano, Orgel, Moog, Fender Rhodes, Clavinet), Blasinstrumente (Trompete, Klarinette, Flöte), Bass, Perkussion und lässt sich dabei von Fernando Samalea (Drums) und Lucas Totino (Slide Guitar) begleiten. Sein farbige Mixtur lebt an der Schnittstelle von Jazz, Elektronik und Globalista und lässt sich mit der Musik der jungen Dänen von Analogik oder dem Klangzauberer Jun Miyake aus Japan vergleichen. Als Kurzformel käme auch «Manu Chao meets Jimi Tenor» in Frage, bestimmt kennt Axel auch die mexikanische «Space Age Pop-Legende» Esquivel (1918–2002) oder den unvergesslichen Filmkomponisten Nino Rota (1911–79). Kurz, intelligente Popmusik, die uns mit verspieltem Können, schalkhaftem Humor und unverkrampfter Vielfalt verwöhnt.
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Ewig:
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Der britische Keyboarder und Hammond-Organist Vincent Crane (1943–89) spielte Keyboards beim Underground-Hit «Fire» (1968) von Arthur Brown. Darauf gründete er mit Drummer Carl Palmer seine eigene Band, unglückseligerweise Atomic Rooster benannt, denn der Name hat unzählige Grafiker zu den unsäglichsten Plattenhüllen der Rockgeschichte inspiriert. Alleine die beiden Alben «Made In England» (1972) und «Nice'n'Greasy» (1973), beide mit Colosseum-Sänger Chris Farlowe, wurden mit drei verschiedenen Covers in Grossbritannien, Deutschland und Amerika veröffentlicht. Das schönste Cover aus jener Zeit zeigt den Keyboarder 1974 auf einer französischen Single: in Rückwärtsbewegung von der Hammondorgel, mit wehendem langem Haar.
Zwischen 1970 und 1973 sind von Atomic Rooster in kurzen Abständen fünf Studioalben entstanden, in ständig wechselnder Besetzung. Bandleader Vincent Crane litt unter manisch-depressiven Phasen, am 14. Februar 1989 nahm sich Crane im Alter von 46 Jahren selbst das Leben. Auf der 2001 Doppel-CD Anthologie «Heavy Soul» ist die Entwicklung der Progressive-Band mustergültig nachgezeichnet: Der kraftvolle Hammond-Sound ist erdverbunden und groovt prächtig, die wenigen Balladen sind meisterhaft orchestriert, im Gegensatz zu zahlreichen bekannteren Classic Rock-Bands der damaligen Zeit wirkt Atomic Rooster heute keineswegs veraltet. Selbst drei Comeback-Alben zwischen 1980 und 1983 waren durchaus erfrischend, hatten aber im Zeitgeist der 80er Jahre keine Chance. Das kurze Gastspiel von Vincent Crane auf «Don't stand me down» von den Dexys Midnight Runners 1985 blieb eine Fussnote.
Quelle: www.youtube.com/watch?v=AfnwgFQO3kU
Besetzung:
Vincent Crane (keyboards)
Chris Farlowe (voc)
Steve Bolton (guitar)
Ric Parnell (drums)